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Das historische Zeugnis: Wie die Kirche ihre Propheten opferte

Wer heute die offizielle Geschichte der evangelischen Kirche im Dritten Reich liest, stößt auf eine wohlfeile Erzählung vom christlichen Widerstand. Man schmückt sich mit den großen Namen. Doch die historische Realität hinter den Kulissen der Macht war geprägt von lähmender Bürokratie, Anpassung und einer tiefliegenden Angst vor dem eigenen Privilegienverlust.

Die mutigen Ausnahmen: Barth und Niemöller

Es gab sie, die Stimmen, die wenigstens die theologische Wahrheit laut aussprachen.

  • Karl Barth verfasste 1934 mit der Barmer Theologischen Erklärung das Fundament gegen die NS-Ideologie. Er weigerte sich, den bedingungslosen Treueeid auf Hitler zu schwören – und wurde prompt aus Deutschland ausgewiesen.
  • Martin Niemöller gründete den Pfarrernotbund, als das Regime Pfarrer jüdischer Herkunft aus den Ämtern drängen wollte. Er zahlte einen hohen Preis: Auf direkten Befehl Hitlers verbrachte er Jahre als persönlicher Gefangener in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau.

Doch so mutig diese Männer im innerkirchlichen Streit auch waren: Der breite, politische Protest für die Menschenrechte aller verfolgten Bürger blieb auch bei ihnen aus. Die offizielle Kirche als Institution schwieg.

Das bittere Schicksal des Dietrich Bonhoeffer

Am radikalsten ging Dietrich Bonhoeffer. Er forderte nicht nur das theologische Wort, sondern das konkrete Handeln: „Dem Rad selbst in die Speichen fallen!“ Er gründete in Finkenwalde ein illegales Predigerseminar, um den Nachwuchs abseits des staatlichen Mainstreams im Geist der Wahrheit auszubilden.

Die Reaktion der offiziellen Kirche? Sie ließ ihn fallen.

  • Sie verweigerte der Ausbildung in Finkenwalde die Anerkennung.
  • Sie knickte vor dem Treueeid auf den „Führer“ ein.
  • Als Bonhoeffer ein reichsweites Redeverbot erhielt, gab es keinen kirchlichen Protest.
  • Nach seiner Verhaftung 1943 bewegte die Kirchenleitung keinen Finger, um dem „Sicherheitsrisiko“ Bonhoeffer zu helfen.
  • Und nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 distanzierte sich die Kirche eilends von ihm und den Verschwörern. Man deklarierte den Widerstand gegen den Staat als Sünde.

Die halbherzige Aufarbeitung der Nachkriegszeit

Das traurigste Kapitel folgte nach 1945. Während Bonhoeffer im April 1945 im KZ Flossenbürg erhängt wurde, feierte die Kirche nach dem Krieg eine schnelle, bequeme Restauration.

In den 1950er Jahren gab es kaum eine Entnazifizierung in den Pfarrhäusern. Ehemalige „Deutsche Christen“, die antisemitische Hetze betrieben hatten, wurden geräuschlos wieder in den Dienst übernommen und bezogen später gute Pensionen. Bonhoeffers Familie und seine überlebenden Mitstreiter mussten dagegen jahrelang um moralische und finanzielle Anerkennung kämpfen. Erst 1950 – fünf Jahre nach dem Holocaust – fand die Kirche auf einer Synode in Berlin-Weißensee mühsam die Worte, um eine Mitschuld am Leid der Juden einzugestehen.

Man brauchte Jahrzehnte, um aus dem unbequemen, lebendigen Staatsfeind Bonhoeffer den zahmen, toten Märtyrer zu machen, den man heute so gefahrlos auf Denkmäler gießen kann.

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