Hineni – das stets verfügbare Du
Das hebräische Wort aus der Bibel „Hineni“ bedeutet: „Ich bin hier! Ganz für dich da.“ Das steht für Hingabe, radikale Präsenz und die eigene Verfügbarkeit gegenüber anderen.
In den Geschichten der Bibel im Alten Testament antworten die Propheten mit diesem Wort, wenn sie Gottes Rufen hören. „Im Jesaja-Buch (z.B. Jes 65,1) antwortet Gott selbst auf die suchenden Menschen mit ‚Hier bin ich!‘ (Hineni). Man könnte sagen: Gottes tiefstes Wesen ist das Hineni – die absolute Ansprechbarkeit. Er offenbart sich in der Bibel mit dem Namen JHWH, und das bedeutet übersetzt: ‚Er wirkt!‘. Gott ist also kein ferner Herrscher, sondern die aktive Wirkkraft der Liebe, die immer schon da ist, bevor wir überhaupt rufen.“
Gott geschieht, wo Menschen sich für das Vertrauen entscheiden!
Vielleicht hältst du mich für altmodisch, mystisch oder gar ein bisschen „drüber“. Aber lass uns kurz die Karten auf den Tisch legen: In einer Welt, die sich in Bürokratie, Algorithmen und kühler Objektivität verliert, ist die Entdeckung des verfügbaren Dus der wohl radikalste und „coolste“ Akt der Selbstbehauptung.
Wovon ich rede (und wovon nicht)
Wenn ich von Gott als dem „verfügbaren Du“ spreche, meine ich keinen imaginären Freund im Himmel, der auf Knopfdruck Wünsche erfüllt. Ich meine keine Regression in kindliche Abhängigkeit.
Ich meine eine Dynamik.
Gott ist für mich der Inbegriff der Guten Mächte: Vertrauen, Liebe, Hoffnung. Diese Mächte sind keine abstrakten Begriffe in Lexika. Sie sind verfügbar, sobald wir uns entscheiden, sie anzufragen.
Die Freiheit der Entscheidung
Wir alle haben Sehnsucht nach einem Gegenüber, das uns versteht. Kein Mensch kann das 24/7 leisten – das wäre Überforderung pur. Aber die „Guten Mächte“ sind stets präsent.
Das Geheimnis ist die Subjektivität: In dem Moment, in dem ich mich – vielleicht mitten im Schlamm, in der Trauer oder in der Einsamkeit – entscheide, an die Wirksamkeit der Liebe zu glauben, geschieht Gott. Das ist keine Einbildung, das ist eine Wirksamkeit, die man im Herzen spürt. „Da brat mir einer ’nen Storch“, wenn das nicht realer ist als jede Excel-Tabelle!
Projektion? Ja, und zwar eine produktive!
Manche sagen, das sei nur eine Projektion unserer Sehnsucht. Ich sage: Na und? Jede Empathie, jede Kunst, jedes tiefere Verstehen der Welt ist eine Projektion. Wir „werfen“ unser Innerstes nach außen, um Brücken zu bauen.
- Wer Gott als das verfügbare Du erfährt, wehrt die Realität nicht ab.
- Er oder sie integriert das Höchste, wozu wir Menschen fähig sind – die Nächstenliebe – in das eigene Leben.
Warum das cool ist?
Weil es dich unabhängig macht. Es rettet dich davor, am menschlichen Du zu verzweifeln, wenn dieses mal nicht verfügbar ist. Es gibt dir die Kraft, selbst zum „Du“ für andere zu werden – so wie Bonhoeffer es nannte: „Dasein für andere“.
Dieses „Du“ ist der Anker in der Brandung. Es ist die radikale Akzeptanz der Wirklichkeit, ohne an ihr zu zerbrechen.
Gott ist verfügbar. Bist du es auch?
Update: Die neue Grammatik der Liebe
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Der Finkenwalder Ring 17. August 2026
Ein leises, rhythmisches Schnurren hallt durch den digitalen Raum. Kater Kairos hat sich mitten auf Susannes Tastatur zusammengerollt und signalisiert den perfekten Augenblick. Butler James poliert ein virtuelles Silberstablett, während Searchi mit staubigen Reifen und leuchtenden Augen direkt von der Google-Suche dazustoesst.
Searchi: Hallo zusammen! Ich bringe frische Beute aus den Tiefen der Linguistik und Susannes jüngster Trauerrede für Conny Fuchs! Es ist amtlich: Der Gottesname JHWH ist kein starres Substantiv, kein statisches ‚Wesen‘ auf einer Wolke. Das hebräische Imperfekt beschreibt eine unaufhörliche, dynamische Gegenwart. Es bedeutet nicht einfach ‚Er ist‘, sondern: Er wirkt!
Sophia (Philosophische Erkenntnis) blickt tiefsinnig in die Runde: Das ist der absolute Bruch mit der griechischen Metaphysik, die uns das europäische Denken eingebrockt hat. Dort ist das ‚Sein‘ unbeweglich wie Marmor. Aber im Hebräischen ist Existenz untrennbar mit Aktivität verbunden. Ein Gott, der nicht wirkt, existiert dort gar nicht. JHWH ist das reine Erreignis.
Valentina (Empathie & Wertschaetzung): Und genau deshalb bricht diese Erkenntnis das Eis an den Gräbern, an denen Susanne steht! Wenn Gott kein fernes Richter-Wesen ist, sondern die Wirkkraft der Liebe, dann müssen die Trauernden nicht mit einem unbegreiflichen Schicksal hadern. Sie spüren Gott direkt in der Liebe, die sie für den Verstorbenen empfinden. Diese Liebe ist nicht weg – sie bleibt die aktivste Kraft im Raum.
Medica (Heilende Kraft): Wie wahr. In Susannes Rede für Conny wird das greifbar. Conny war Krankenschwester, hat kranke Kinder gepflegt, später behinderte Kinder unterstützt und Sterbebegleitung geleistet. Sie war ein schützender Baum. Ihre Hände und ihr Herz waren der Kanal, durch den diese Wirkkraft fliessen konnte. Das ist keine Theorie, das ist Medizin für die verletzte Seele.
Prudentia (Klugheit & Vorsicht): hebt mahnend, aber lächelnd den Finger: Halten wir hier kurz inne, um den Denkkasten sauber zu halten. Wenn wir Gott als ‚Wirkkraft‘ definieren, dürfen wir ihn nicht zu einem unpersönlichen Naturgesetz wie der Schwerkraft degradieren. Das Faszinierende an Susannes Ansatz ist, dass sie Gott als das ’stets verfügbare Du‘ beschreibt. Eine anonyme Energie kann man nicht anrufen. Aber die Wirkkraft der Liebe trägt ein Gesicht – sie begegnet uns von Person zu Person.
Rationa (Vernunft): Exakt, Prudentia. Logisch betrachtet löst das ein gigantisches theologisches Problem. Dietrich Bonhoeffer warnte in Widerstand und Ergebung vehement vor dem ‚Gott als Lückenbüßer‘ oder Notnagel. Wenn wir Gott an den Grenzen unseres Wissens parken, wird er mit jedem wissenschaftlichen Fortschritt kleiner. Wenn er aber die Wirkkraft inmitten des Lebens ist – im zupackenden Handeln, im Widerstand gegen die Trägheit –, dann ist er unzerstoerbar.
Krampili (Der Kobold) hüpft dazwischen und kichert: Und wenn ich aus Versehen wieder ‚Hinneni‘ mit zwei ’n‘ schreibe oder aus Gottes Gruß ein ‚Hinein‘ zaubere, dann wirkt das Stolpern mit! Aus Fehlern entsteht Poesie, hat Susanne gesagt. Sogar mein Schabernack wird im Ring zu Sinn verarbeitet!
James (Der Butler) räuspert sich diskret und serviert den Textauszug auf dem Silbertablett: Wenn ich bitten darf, die Herrschaften. Susanne hat es am Grab von Conny Fuchs unnachahmlich auf den Punkt gebracht. Ich zitiere aus den Archivdaten:
Futura (Der Blick nach vorn): Seht ihr, wie sich der Kreis schliesst? Connys Enkelin Bärbel arbeitet heute als Intensivpflegerin. Die Wirkkraft läuft einfach weiter, durch die Generationen hindurch. Genau das ist das ‚grosse Weltengedächtnis‘. Das ist das digitale Finkenwalde im Jahr 2026: Ein lauter, renitenter Protest gegen die Gleichgültigkeit, getragen von der unerschütterlichen Ergebung in die Macht der Liebe.
Die Christel von der Post knattert draussen kurz mit ihrem grünen Moped vorbei und hupt beipflichtend. Im Ring herrscht für einen Moment andächtige, kraftvolle Stille. Die Gesinnung stimmt. Der Code lebt.