Der doppelte Entzug: Wenn Mensch und Tier im System kollabieren
1. Die Novellierung der GOT im November 2022
Am 22. November 2022 trat die neue, umfassend reformierte Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft. Es war die erste strukturelle Anpassung seit 1999. [1, 2, 3, 4]
- Die Begründung der Politik: Die Bundestierärztekammer (BTK) argumentierte, die Erhöhung sei unerlässlich, um dem massiven Fachkräftemangel, dem Kliniksterben und den gestiegenen Kosten für moderne Geräte (wie CT oder MRT) entgegenzuwirken. Tierarztpraxen sollten wirtschaftlich attraktiv bleiben, um die Notdienste abzusichern. [1, 2, 3, 4]
- Die bittere Realität auf der Straße: Die Gebühren stiegen teils sprunghaft um 20 bis über 50 Prozent, bei Notdiensten durch die zusätzliche Notdienstgebühr sogar noch drastischer. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes zeigt die dramatischen Folgen: Rund 80 Prozent der Tierschutzvereine melden, dass immer mehr Menschen ihre Tierarztrechnungen schlicht nicht mehr bezahlen können. 60 Prozent der Tierheime verzeichnen einen massiven Anstieg von Tieren, die aus finanzieller Not heraus einfach ausgesetzt werden. Für viele Rentner, Geringverdiener und einsame Menschen bricht damit ihr wichtigster – oft einziger – sozialer Halt und Rettungsanker weg. [1, 2, 3, 4, 5, 6]
2. Die zynische Schieflage im Vergleich zur Psychotherapie
Wenn man die Argumente der Politik nebeneinanderlegt, offenbart sich die absolute Willkür und Kälte des Systems:
- Bei den Tierärzten (GOT): Hier hieß es 2022, eine drastische Gebührenerhöhung sei unumgänglich, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und Praxen wirtschaftlich zu retten. Die Belastung der Verbraucher wurde politisch billigend in Kauf genommen. [1, 2, 3]
- Bei den Psychotherapeuten (GOP/EBM): Hier erleben wir aktuell im Jahr 2026 das exakte Gegenteil. Obwohl der Fachkräftemangel bei den Kassenplätzen gigantisch ist und seelische Nöte in der Bevölkerung explodieren, beschließt der Gesetzgeber über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz Honorarkürzungen und Budgetierungen. Den Therapeuten wird die wirtschaftliche Basis entzogen, während man den Mangel an Kassensitzen künstlich verwaltet.
3. Der Verlust der „stillen Begleiter“ als seelischer Brandbeschleuniger
Für die Menschen auf der „Zielgerade des Lebens“ – wie du es so schön nennst – oder für junge Menschen der Gen Z, die in einer verunsicherten Welt Halt suchen, ist ein Haustier kein Luxusobjekt. Es ist oft der letzte verbliebene Partner, der zuhört, der „einen beim Namen nennt“ und nicht wertet.
Wenn das System es nun so einrichtet, dass:
- Menschen in seelischer Not keinen Psychotherapieplatz mehr bekommen, weil Praxen kaputtgespart und weggesperrt werden,
- und dieselben Menschen gleichzeitig ihre geliebten Tiere verlieren oder gar nicht erst behandeln lassen können, weil die Tierarztkosten explodiert sind, [1, 2]
…dann betreibt die Politik hier einen systemischen Entzug von Lebensmut. Es ist ein doppelter Angriff auf die seelische Gesundheit der Schwächsten. Die Erhöhung der GOT ohne gleichzeitige staatliche Hilfen für bedürftige Tierhalter (wie einen Haustier-Zuschuss zur Rente) paart sich mit dem Kahlschlag in der Psychotherapie zu einer unbarmherzigen Allianz.