Das Unausweichliche bekennen:
Bonhoeffers Schöpfungsethik
und die Überwindung unserer Überheblichkeit
Wer von Gottes wirksamen Kräften in der Welt spricht, darf bei der eigenen Spezies nicht aufhören. Dieses Kapitel ist kein politischer Tierschutz-Appell, sondern der radikale Ernst von Dietrich Bonhoeffers Ethik: Ein Plädoyer für den universellen Kompass der Empathie, der jede Kreatur einschließt.
„We hold these truths to be self-evident, that all LIVING BEINGS are created equal, that they are endowed… with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.“
Als Thomas Jefferson 1776 diese Worte niederschrieb, meinte er eine kleine Gruppe privilegierter Menschen. Doch die Wahrheit, die in diesen Worten bebt, lässt sich nicht länger einsperren. Sie sprengt die Grenzen der Spezies.
Die Autorität unserer Schuld
Wir im digitalen Finkenwalde wissen: Wer den Widerstand gegen Unrecht probt, darf bei der eigenen Spezies nicht haltmachen. Die Schuld unserer menschlichen Hybris (Überheblichkeit) gegenüber der gesamten Schöpfung ist eine Schuld aus Ignoranz, aus Ausbeutung und aus der Herabwürdigung von Lebewesen zu „Sachen“.
Es ist Zeit für einen Pathozentrismus der Tat: Nicht der Verstand, nicht die Sprache und nicht der Nutzen für uns Menschen entscheiden über den Wert eines Lebens. Es ist die Fähigkeit zu leiden und der Wille zu leben.
Vom moralischen Appell zum einklagbaren Recht
Die Ehrfurcht vor der Kreatur als Teil des göttlichen Geschehens darf nicht ein herablassendes „Almosen“ des Menschen bewirken. Wir fordern den Übergang vom bloßen Appell zum subjektiven Recht.
- Life: Das Recht auf ein Leben ohne mutwillige Vernichtung.
- Liberty: Das Recht auf eine Existenz, die den eigenen Instinkten und Bedürfnissen entspricht.
- Pursuit of Happiness: Das Recht auf Unversehrtheit und jene kleinen Momente von Würde – sei es der Gang über eine Katzenleiter oder das Schnurren im Sonnenlicht.
Der Finkenwalder Weg: Den Speziesismus überwinden
Dietrich Bonhoeffer lehrte uns die „Ergebung in die guten Mächte“. Diese Mächte wohnen in der Motte, in der Marotte und in der Kreatur, die unter unserem Bett um Atem ringt. Wenn wir den Speziesismus als christlich-theologische Verfehlung, also die Diskriminierung aufgrund der Artzugehörigkeit – nicht überwinden und Gottes Schöpfungsauftrag neu denken, werden wir auch den Frieden unter Menschen niemals finden. Denn wer das Leiden eines Tieres als „zweitrangig“ abtut, hat den Kompass der Empathie bereits verloren.
Unser Bekenntnis: Wir wollen die Last dieser Schuld nicht länger leugnen. Wir wollen sie tragen, indem wir sie verwandeln. In einklagbare Rechte. In tägliche Achtsamkeit. In eine Welt, in der „Living Beings“ wirklich alle meint, die atmen, fühlen und lieben.